Worum es geht
Die gute Nachricht zuerst: In den Klassen A und B liegt der größte Teil der Aufgaben, mit denen Teams sinnvoll in die KI-Nutzung starten, und beide sind mit überschaubaren Regeln gut beherrschbar. Diese Lektion zeigt, wo die Grenze zwischen beiden verläuft und welche Regel jeweils gilt.
Klasse A: Öffentliches
Website-Texte, Stellenanzeigen, allgemeine Aufklärungstexte, Social-Media-Entwürfe: Inhalte, die ohnehin für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Hier ist der Werkzeugspielraum am größten, auch Consumer-Chats sind nutzbar.
Was trotzdem bleibt: die fachliche Sichtprüfung. Öffentlich heißt nicht egal. Ein erfundener „Fakt” in einem Aufklärungstext schadet der Glaubwürdigkeit, im Gesundheitsbereich auch mehr als das. Die Regel für Klasse A lautet deshalb: freie Werkzeugwahl, aber nichts geht ungeprüft nach draußen.
Klasse B: Internes ohne Personenbezug
Arbeitsanweisungen, Vorlagen, Ablaufbeschreibungen, Besprechungsnotizen ohne Namen. Diese Inhalte sind nicht geheim wie ein Betriebsgeheimnis, aber sie gehören auch nicht in fremde Trainingsdaten.
Daraus folgt die Kernanforderung der Klasse B: ein Werkzeug mit vertraglicher No-Training-Zusage, also der Zusicherung des Anbieters, Ihre Eingaben nicht zum Training seiner Modelle zu verwenden. Wichtig ist die ehrliche Einordnung: Die Zusage ist ein Prüfkriterium, keine Generalfreigabe. Sie sollte vertraglich belegt sein, nicht nur auf einer Marketingseite behauptet, und sie ersetzt nicht den gesunden Blick darauf, was ein Dokument sonst noch enthält.
Die Grenze zwischen A und B ist übrigens schnell überschritten: Sobald in der internen Notiz ein Name auftaucht, sind Sie in Klasse C. Deshalb lohnt vor dem Einfügen der Drei-Sekunden-Blick: Stehen hier Personen drin?
Das Praxisbeispiel
Die Praxis am Lindenplatz sortiert ihre Startaufgaben: Website-Texte und die Patienteninformation zur Grippeimpfung sind Klasse A und dürfen in den Consumer-Chat, mit Endkontrolle durch die Ärztin. Die QM-Arbeitsanweisungen sind Klasse B und laufen über den EU-Dienst mit vertraglicher No-Training-Zusage. Ein Merkblatt am Bildschirm erinnert an die Grenze: „Namen drin? Dann Stopp und Lektion 3.”
Der typische Fehler
Klasse B wie Klasse A behandeln, weil es bequem ist. Das private Chat-Konto ist offen, die Arbeitsanweisung ist „doch nichts Geheimes”, also hinein damit. Einzeln wirkt jeder Fall harmlos. In Summe wandert das interne Wissen der Organisation in Werkzeuge, über die niemand einen Vertrag hat. Interne Inhalte verdienen ein Werkzeug mit Zusagen, jedes Mal.
Kontrollfrage
Eine Kollegin möchte den Entwurf einer neuen Team-Urlaubsregelung von der KI straffen lassen. Klasse A oder B, und was folgt daraus?
Antwort anzeigen
Solange keine Namen und Einzelfälle enthalten sind, ist das Klasse B: intern, ohne Personenbezug. Daraus folgt: kein beliebiger Consumer-Chat, sondern das Werkzeug mit No-Training-Zusage, danach normale fachliche Prüfung. Stehen im Entwurf konkrete Namen mit individuellen Regelungen, rutscht die Aufgabe in Klasse C.