Worum es geht

Die vier Schritte aus der letzten Lektion beschreiben den Ablauf. In echten Systemen stecken dahinter sechs Bausteine, und an jedem kann Qualität entstehen oder verloren gehen. Wer die Bausteine kennt, kann bei schlechten Antworten gezielt fragen, wo es hakt, statt pauschal am Modell zu zweifeln.

Die sechs Bausteine

  1. Datenquellen. Dokumente, Wikis, Ablagen, Datenbanken. Hier gilt die Auswahl-Regel aus der Kontextschicht: Was sensibel ist, kommt gar nicht erst hinein.
  2. Aufbereitung und Zerlegung. Dokumente werden gelesen, bereinigt und in Abschnitte zerlegt, damit sie durchsuchbar werden. Der unscheinbarste Baustein, und der mit den meisten Qualitätsfehlern: Aus einer schlecht zerlegten Tabelle wird ein Textbrei, aus dem später niemand mehr eine richtige Antwort holt.
  3. Index. Die Abschnitte werden durchsuchbar gemacht: über klassische Volltextsuche, über Bedeutungssuche (die auch Umschreibungen findet) oder über beides zusammen.
  4. Abruf. Zur Frage werden passende Abschnitte gesucht und geordnet. Der Anspruch ist höher, als er klingt: Gut ist nicht, was ähnlich klingt, sondern was beim Antworten hilft.
  5. Kontext-Zusammenstellung. Die Fundstellen werden gekürzt, sinnvoll geordnet und mit Quellenangaben versehen, bevor sie ans Modell gehen. Dieser Schritt entscheidet oft mehr über die Antwortqualität als die Modellwahl.
  6. Generierung. Erst jetzt kommt das Sprachmodell und formuliert die Antwort aus dem, was die fünf Bausteine davor vorbereitet haben.

Was das für Nicht-Techniker bedeutet

Sie müssen keinen dieser Bausteine selbst bauen. Aber die Liste verändert, welche Fragen Sie stellen können. Statt „Warum ist die KI so schlecht?” fragen Sie: Sind die richtigen Dokumente in der Wissensbasis? Sind sie aktuell? Findet der Abruf die passenden Stellen? Zeigt die Antwort ihre Quellen? Das sind Fragen, die eine fachlich verantwortliche Person stellen kann und sollte, ganz ohne Programmierkenntnisse.

Das Praxisbeispiel

In der Praxis am Lindenplatz liefert das RAG-System auf Fragen zur Urlaubsvertretung wirres Zeug. Die Fehlersuche entlang der Bausteine zeigt: Das Modell ist unschuldig. Die Vertretungsregelung steckt in einer komplizierten Tabelle im QM-Handbuch, und die Aufbereitung hat die Tabelle beim Zerlegen zerrissen. Die Lösung ist kein neues Modell, sondern eine neu formatierte Seite: Die Regelung wird als einfacher Text neu geschrieben, und ab da stimmen die Antworten.

Der typische Fehler

Qualität nur am Ende suchen. Wenn Antworten enttäuschen, wird am Prompt gefeilt oder das Modell gewechselt, also an Baustein 6. Die häufigsten Ursachen liegen aber vorn: unaufgeräumte Quellen, zerrissene Dokumente, veraltete Fassungen. Wer RAG einführt, sollte die meiste Sorgfalt in die Bausteine 1 und 2 stecken, nicht in die Modellwahl.

Kontrollfrage

Ihr RAG-System zitiert als Quelle das richtige Dokument, aber die Antwort gibt dessen Inhalt verdreht wieder. Welche Bausteine schauen Sie sich zuerst an?

Antwort anzeigen

Aufbereitung und Kontext-Zusammenstellung: Wenn das richtige Dokument gefunden wurde, aber falsch wiedergegeben wird, sind die Abschnitte oft ungünstig zerlegt oder so gekürzt worden, dass der Sinn kippt. Erst wenn diese Bausteine sauber sind, lohnt der Blick auf das Modell selbst.