Worum es geht
Die Abschlusslektion macht Sie zur unbequemen Kundin oder zum unbequemen Kunden: Sie können jetzt beurteilen, was Ihnen als „KI mit Ihrem Firmenwissen” verkauft wird, und Sie kennen die Spielregeln, ohne die eine Wissensbasis zum Risiko wird.
Sechs Prüffragen für jedes RAG-Angebot
| Kriterium | Frage |
|---|---|
| Abrufqualität | Findet das System die richtigen Dokumente? |
| Belegtreue | Stützt sich die Antwort wirklich auf die Fundstellen? |
| Nachvollziehbarkeit | Sind die Quellen der Antwort sichtbar? |
| Vollständigkeit | Fehlt etwas Wichtiges, das in der Wissensbasis steht? |
| Sicherheit | Werden Zugriffsrechte und Schutzbedarf beachtet? |
| Nützlichkeit | Hilft die Antwort im tatsächlichen Arbeitsprozess? |
Die wichtigste Regel dazu: Lassen Sie sich diese Punkte am eigenen Material zeigen, nicht an der Demo des Anbieters. Eine Demo mit vorbereiteten Dokumenten sieht immer gut aus. Ob das System mit Ihren echten Arbeitsanweisungen, Ihren Tabellen und Ihren Altlasten zurechtkommt, zeigt nur ein Test mit genau diesen Unterlagen.
Die Spielregeln: RAG als Governance-Frage
Sobald eine Wissensbasis entsteht, braucht sie Antworten auf fünf Fragen, schriftlich und mit Namen dahinter:
- Welche Dokumente dürfen in den Index?
- Wer darf welche Fundstellen sehen?
- Wer aktualisiert die Wissensbasis und entfernt alte Fassungen?
- Welche Inhalte dürfen überhaupt an das Modell gehen?
- Wo liegt der Index und wie ist er geschützt?
Und die Warnung für Praxen und andere Gesundheitsorganisationen, deutlich gesagt: RAG heißt nicht „alles indexieren”. Praxiswissen, QM-Dokumente, Telefonleitfäden: ja. Patientenakten und andere Gesundheitsdaten: nein. Solche Daten behalten ihren höchsten Schutzbedarf, daran ändert auch eine Pseudonymisierung nichts, und sie gehören nicht in eine allgemeine Wissensbasis. Jeder Einsatz jenseits des unbedenklichen Praxiswissens braucht eine eigene Rechts-, Risiko- und Schutzprüfung.
Das Praxisbeispiel
Die Praxis am Lindenplatz bekommt ein Angebot: „Ihre komplette Praxis als KI-Wissensdatenbank, alle Ordner automatisch angebunden.” Mit den Prüffragen und Spielregeln fällt die Bewertung leicht: Automatisch alle Ordner bedeutet auch Patientendaten und Personalunterlagen, also nicht verhandelbar falsch. Die Praxis beauftragt stattdessen eine kleine Wissensbasis aus QM-Ordner und Leitfäden, mit Quellenanzeige, benannter Pflegeverantwortung und einem Test an zwanzig echten Fragen aus dem Team vor der Freigabe.
Der typische Fehler
Die Wissensbasis als Einmal-Projekt behandeln. Das System wird eingerichtet, gefeiert und dann zwei Jahre nicht gepflegt. Ab da beantwortet es Fragen mit dem Stand von damals, mit wachsender Selbstsicherheit und sinkender Wahrheit. Eine Wissensbasis ist ein Abo auf Pflege: Ohne benannte Verantwortung für Aktualisierung und Löschung wird aus dem Helfer eine Fehlerquelle.
Kontrollfrage
Ein Anbieter zeigt eine beeindruckende Demo und verspricht „DSGVO-konform, läuft auf EU-Servern”. Reicht das für die Freigabe?
Antwort anzeigen
Nein. Der Serverstandort beantwortet nur einen kleinen Teil der Fragen. Offen bleiben: Welche Dokumente kommen hinein, wer sieht welche Fundstellen, wer pflegt und löscht, besteht ein Auftragsverarbeitungsvertrag, und wie schlägt sich das System an Ihrem echten Material? Freigabe erst, wenn diese Fragen schriftlich beantwortet sind und der Test am eigenen Material bestanden ist.
Zum Abschluss
Damit haben Sie den RAG-Kurs geschafft. Wenn Sie mögen, füllen Sie Ihre Teilnahmebestätigung aus. Wie RAG in das große Bild der fünf Schichten passt, zeigt der Kurs KI-Architektur verstehen; die Spielregeln für Datenarten vertieft der Kurs Datenklassen im KI-Alltag.