Kurzfassung: E-Learning-Kosten bestehen aus Konzeption, Inhaltsarbeit, Medien, technischer Umsetzung, Prüfung und Pflege. Vergleichen Sie Angebote nach diesen Leistungen. Die folgenden Beträge sind ein frei gewähltes Rechenbeispiel, keine Marktpreise und kein Angebot.
Eine häufige Budgetfrage lautet: Was kostet eine Stunde E-Learning? Das klingt vergleichbar, führt aber schnell in die Irre. Eine Stunde Lesetext, ein verzweigtes Gesprächstraining und ein Kurs mit Studioaufnahmen können dieselbe Lernzeit haben und völlig unterschiedliche Produktionsaufwände verursachen.
Die sechs Kostenblöcke
| Block | Typische Arbeit | Häufig übersehen |
|---|---|---|
| Konzeption | Zielgruppen, Lernziele, Modulplan | Abstimmung mit mehreren Fachbereichen |
| Inhalt | Recherche, Fachinterview, Redaktion | Widersprüchliche oder veraltete Vorlagen |
| Medien | Video, Ton, Grafik, Untertitel | Nachdrehs nach fachlichen Änderungen |
| Umsetzung | Autorentool, Aufgaben, LMS-Einbindung | Wiederaufnahme und Abschlusslogik |
| Qualität | Fachprüfung, Nutzertest, technische Abnahme | Korrekturen nach einem echten Pilot |
| Betrieb | Hosting, Lizenzen, Support, Updates | interne Administration und Pflege |
Ein sauberes Briefing verringert die Unsicherheit, bevor ein Anbieter kalkuliert. Es beseitigt den Aufwand nicht, macht ihn aber begründbar.
Ein vollständig fiktives Rechenbeispiel
Angenommen, ein Unternehmen plant ein kleines Programm mit drei Modulen. Die Arbeit wird für die Rechnung in Stunden geschätzt. Der angenommene externe Stundensatz beträgt 100 Euro netto; er dient ausschließlich dazu, das Modell vorzurechnen.
| Arbeitspaket | Angenommene Stunden | Rechnerischer Betrag |
|---|---|---|
| Bedarfsanalyse und Konzept | 16 | 1.600 € |
| Redaktion und Drehbücher | 24 | 2.400 € |
| einfache Medienproduktion | 20 | 2.000 € |
| Umsetzung und Integration | 24 | 2.400 € |
| Pilot, Korrektur und Abnahme | 16 | 1.600 € |
| Summe externer Projektarbeit | 100 | 10.000 € |
Hinzu kommen in diesem Beispiel 30 interne Stunden, bewertet mit rechnerischen 50 Euro, sowie angenommene 1.200 Euro für das erste Betriebsjahr. Das ergibt 12.700 Euro Gesamtkosten im ersten Jahr. Steuern, gegebenenfalls benötigte Reisen und weitere Leistungen sind in dieser Modellrechnung nicht enthalten.
Die Rechnung ist bewusst offengelegt: Ersetzen Sie Stunden, Sätze und Betrieb durch Ihre eigenen Werte. Ein Ergebnis aus erfundenen Annahmen ist keine Preisprognose.
Kosten je Teilnahme richtig berechnen
Bei 100 abgeschlossenen Teilnahmen ergeben die 12.700 Euro aus dem Beispiel rechnerisch 127 Euro je Abschluss. Bei 200 Abschlüssen wären es 63,50 Euro. Die Entwicklungskosten verteilen sich dann auf mehr Menschen. Der laufende Aufwand kann mit der Nutzung allerdings ebenfalls steigen.
Die Kennzahl wird irreführend, wenn nur vorhandene Zugänge gezählt werden. Ein Zugang beweist keine Bearbeitung. Und selbst ein Abschluss zeigt noch nicht, ob die Arbeitsaufgabe gelingt. Verknüpfen Sie die Budgetrechnung deshalb mit einer passenden Erfolgsmessung.
Wo Einsparungen sinnvoll sind
Eine Fachänderung im Skript kostet meist weniger Nacharbeit als dieselbe Änderung nach Dreh, Schnitt und Vertonung. Legen Sie fachliche Freigaben deshalb vor die teuren Produktionsschritte.
Weitere Möglichkeiten:
- Den ersten Kurs auf einen konkreten Anwendungsfall begrenzen.
- Bestehende, geeignete Plattformen nutzen, statt Funktionen doppelt zu bauen.
- Wiederverwendbare Gestaltungsvorlagen anlegen.
- Häufig veränderliche Bedienoberflächen in separat austauschbaren Clips zeigen.
- Notwendige Sprachfassungen vor der Aufnahme festlegen.
- Aufgaben und Feedback zuerst prototypisch testen.
Bei fachlicher Prüfung, verständlichem Ton oder zugänglichen Aufgaben zu sparen, kann dagegen die gesamte Nutzung beeinträchtigen. Die passende Sparstelle hängt vom Lernziel ab.
Angebote vergleichbar machen
Schreiben Sie in eine Vergleichstabelle dieselben Zeilen für alle Anbieter: Materialumfang, Medienmenge, Interaktionen, Ausgabeformate, Korrekturen, Projektdateien, Nutzungsumfang und Pflege. Markieren Sie „nicht enthalten“ ausdrücklich.
Eine hilfreiche Frage lautet: Was müsste zusätzlich bezahlt werden, damit dieser Kurs mit unserer Zielgruppe in unserer Lernumgebung eingesetzt werden kann? Diese Frage findet Lücken, die ein Preis je Lernminute verdeckt.
Welche Folgekosten ins Budget gehören
Ordnen Sie Inhalte nach Änderungshäufigkeit. Ein allgemeiner Gesprächsgrundsatz kann lange gültig bleiben; ein Softwareablauf kann mit einer neuen Version falsch werden. Planen Sie dafür Verantwortliche, Prüfanlässe und einen einfachen Austauschprozess.
Die LMS-Einführung braucht ein eigenes Betriebsbudget. Für umfangreiche Videoanteile sollten Sie außerdem die Kosten einer Schulungsvideoproduktion getrennt aufschlüsseln.
Eine kleine Budgetvorlage für Ihr Projekt
Notieren Sie je Arbeitspaket: Menge, Annahme, Verantwortliche, externe Kosten, interne Stunden und Unsicherheit. Ergänzen Sie einen Reservebetrag, den Sie anhand der tatsächlichen Projektrisiken begründen. Ein pauschaler Prozentsatz ohne Bezug zu offenen Entscheidungen hilft wenig.
Erst nach dieser Aufstellung wird sichtbar, ob das Budget am Kursumfang, am Medienanspruch, an der Technik oder an der Abstimmungsarbeit hängt. Damit lässt sich ein Angebot sachlich verhandeln.
Passend weiterarbeiten
Alle Anleitungen zu Lernprogrammen
Sie möchten Lehrplan, Lernmedien und Plattform gemeinsam entwickeln? Individuelle Lernprogramme für Ihr Unternehmen verbinden Konzeption, Lernvideoproduktion und Praxisbegleitung.