Die Entscheidung dieser Lektion

Sie rekonstruieren den sichtbaren ersten Layer: eine konkrete Textaufgabe, die arbeitende Person und die Oberfläche, über die Eingabe und Ausgabe laufen. Genauso wichtig ist, was ausdrücklich nicht dazugehört.

Das Bauteil im Chat-System

ChatGPT zeigt dieses Bauteil als Chatfenster. In einem Unternehmen kann derselbe Layer auch ein Assistent im Textprogramm, eine Suchmaske oder ein Feld in der Fachsoftware sein. Die Oberfläche ist nicht bloß Dekoration: Sie legt fest, wer welche Eingaben macht, welche Ergebnisse sichtbar werden und wo die Arbeit weitergeht.

Von „KI einführen” zu einer echten Aufgabe

„Wir wollen KI einführen” ist kein Anwendungsfall, sondern ein Wunsch. Ein Anwendungsfall hat drei Bestandteile:

  1. Wer: die Personen oder Rollen, die damit arbeiten.
  2. Womit: die Oberfläche, über die sie arbeiten (Chat im Browser, Textprogramm, Fachsoftware).
  3. An welcher Aufgabe: eine wiederkehrende, benennbare Tätigkeit mit erkennbarem Ergebnis.

Sammeln Sie zuerst die Aufgaben, nicht die Tools. In einer Praxisverwaltung sind das zum Beispiel: Arbeitsanweisungen im Qualitätsmanagement aktuell halten, Telefonleitfäden pflegen, Texte für die Website entwerfen, interne Fragen beantworten („Wie war noch mal der Ablauf bei …?”), Protokolle aus Besprechungsnotizen erstellen.

Woran Sie einen guten ersten Anwendungsfall erkennen

Nicht jede Aufgabe eignet sich für den Einstieg. Ein guter erster Anwendungsfall erfüllt vier Bedingungen:

  • Häufig und textlastig. Die Aufgabe kommt regelmäßig vor und besteht überwiegend aus Lesen, Strukturieren oder Formulieren.
  • Ohne Personenbezug. Es werden keine Patientendaten und keine Personaldaten benötigt.
  • Fehler sind auffangbar. Ein schwacher Entwurf kostet Korrekturzeit, richtet aber keinen Schaden an.
  • Das Ergebnis ist prüfbar. Eine fachlich zuständige Person kann mit vertretbarem Aufwand beurteilen, ob das Ergebnis stimmt.

Das Praxisbeispiel

Die Praxis am Lindenplatz sammelt in einer kurzen Teambesprechung zwölf Aufgaben und bewertet sie nach den vier Bedingungen. Zwei Kandidaten bleiben übrig: die Überarbeitung der QM-Arbeitsanweisungen und der Telefonleitfaden. Beide sind häufig, textlastig, kommen ohne Patientendaten aus und werden ohnehin von der Praxismanagerin geprüft.

Die Praxis entscheidet sich für die QM-Arbeitsanweisungen als ersten Fall. Ausdrücklich ausgeschlossen werden: Arztbriefe, Befundtexte und alles, was Patientendaten berührt. Das ist keine endgültige Absage, sondern eine bewusste Grenze für den Einstieg.

Der Anwendungsfall lautet damit: „Die Praxismanagerin und die QM-Verantwortliche nutzen einen KI-Chat im Browser, um Entwürfe für neue und aktualisierte QM-Arbeitsanweisungen zu erstellen.”

Der typische Fehler

Zu groß einsteigen. Der verlockendste Anwendungsfall ist meist der sensibelste: Patientenkommunikation, Befunde, Diagnostik. Wer dort beginnt, verhandelt gleichzeitig Technik, Recht, Haftung und Teamvertrauen. Das überfordert jede Einführung. Der richtige erste Fall ist klein, unspektakulär und sicher. Er baut die Routinen auf, mit denen später auch anspruchsvollere Fälle beherrschbar werden.

Kontrollfrage

Ihr Team schlägt als ersten KI-Anwendungsfall vor: „Antworten auf Patientenanfragen per E-Mail vorformulieren.” Welche zwei Bedingungen für einen guten ersten Anwendungsfall verletzt dieser Vorschlag?

Antwort anzeigen

Erstens enthält er Personenbezug: Patientenanfragen enthalten fast immer personenbezogene und oft gesundheitsbezogene Angaben. Zweitens sind Fehler schlecht auffangbar: Eine missverständliche oder falsche Antwort wirkt direkt auf Patientinnen und Patienten. Als erster Fall eignet sich eine interne Aufgabe ohne Personenbezug deutlich besser.

Ihr Canvas-Eintrag

Tragen Sie in das Feld Anwendungsfall ein: die Aufgabe, die beteiligten Rollen, die Oberfläche und mindestens einen Punkt unter „Gehört ausdrücklich nicht dazu”.