Die Entscheidung dieser Lektion
Sie rekonstruieren den Layer zwischen Oberfläche und Kontext: Welche Systemanweisung gilt, welche Werkzeuge sind verfügbar und was darf das System nur vorschlagen oder selbst ausführen? Das Ergebnis ist eine kleine Ablauf- und Berechtigungskarte.
Das Bauteil im Chat-System
Ein Chat-Produkt reicht Ihre Eingabe nicht unverändert an das Modell weiter. Es ergänzt Rollen und Systemanweisungen, entscheidet über Werkzeugaufrufe und führt gegebenenfalls mehrere Modellschritte aus. Diese Orchestrierung macht aus einem Textgenerator einen Assistenten, und aus einem Assistenten möglicherweise einen Agenten.
Drei Stufen von Selbstständigkeit
KI-Systeme unterscheiden sich weniger durch ihre Intelligenz als durch ihre Befugnisse. Drei Stufen helfen beim Einordnen:
- Vorschlagen. Das System liefert Text oder Antworten, ein Mensch übernimmt jedes Ergebnis von Hand. Ein Chat im Browser arbeitet auf dieser Stufe.
- Vorbereiten. Das System greift lesend auf Werkzeuge zu, sucht in Dokumenten, füllt Vorlagen und legt Entwürfe an einem vereinbarten Ort ab. Es verändert noch nichts Verbindliches.
- Ausführen. Das System handelt selbst: Es speichert in Fachsysteme, versendet Nachrichten, ändert Kalender oder Datenbestände. Solche Systeme werden Agenten genannt.
Mit jeder Stufe steigt der Nutzen und mit ihm das Risiko. Ein Fehler auf Stufe 1 ist ein schlechter Entwurf. Ein Fehler auf Stufe 3 ist eine falsche E-Mail an einen Verteiler oder ein überschriebenes Dokument.
Daraus folgt die wichtigste Regel dieser Schicht: Jede Aktion, die etwas verbindlich verändert oder nach außen wirkt, braucht eine menschliche Freigabe. Entwurf und Ausführung bleiben getrennt.
Die Ablauf- und Berechtigungskarte
Für Ihren Anwendungsfall beantworten Sie vier Fragen:
- Auf welche Werkzeuge und Systeme darf die KI zugreifen (Dokumentablage, Kalender, E-Mail, Fachsoftware)?
- Ist der Zugriff lesend oder schreibend?
- Welche Aktionen sind ausdrücklich verboten?
- Wer gibt frei, bevor ein Ergebnis verbindlich wird?
Die Antworten passen auf eine halbe Seite. Genau diese halbe Seite fehlt in den meisten Organisationen.
Das Praxisbeispiel
Die Praxis am Lindenplatz entscheidet für ihren QM-Anwendungsfall:
- Die KI darf: Textentwürfe für Arbeitsanweisungen erstellen und vorhandene Entwurfstexte umformulieren und strukturieren.
- Die KI darf nicht: selbstständig in die QM-Ablage speichern, Dokumente überschreiben oder E-Mails an das Team versenden.
- Freigabe: Jeder Entwurf geht an die QM-Verantwortliche. Erst nach ihrer fachlichen Prüfung wird das Dokument in die QM-Ablage übernommen und im Team kommuniziert.
Das System arbeitet damit auf Stufe 1 bis 2. Ein Agent, der Dokumente selbst ablegt, ist für später denkbar, aber erst, wenn die Routine steht.
Der typische Fehler
Vollzugriff aus Bequemlichkeit. Ein Werkzeug bekommt Zugriff auf die komplette Dokumentablage, das E-Mail-Konto und den Kalender, „damit es alles kann”. Überbreite Rechte machen aus jedem Fehler und jeder Manipulation ein großes Problem. Rechte gehören an die Aufgabe gebunden: so viel wie nötig, so wenig wie möglich.
Kontrollfrage
Warum sollte auch ein sehr zuverlässiges KI-System Entwürfe nicht direkt in die QM-Ablage speichern dürfen?
Antwort anzeigen
Weil die Ablage der Punkt ist, an dem ein Text verbindlich wird und das Team sich darauf verlässt. Die menschliche Freigabe davor stellt sicher, dass eine fachlich zuständige Person jede Änderung gesehen hat. Sie schützt außerdem vor Fehlern, die erst im Zusammenhang auffallen, und hält Zuständigkeiten nachvollziehbar in der Organisation.
Ihr Canvas-Eintrag
Füllen Sie das Feld Ablauf- und Berechtigungskarte aus: Zweck der Systemanweisung, erlaubte Zugriffe (lesend/schreibend), verbotene Aktionen und die Person, die freigibt.