Kurzfassung: Ein Lernvideo-Drehbuch verbindet die Erklärung mit dem sichtbaren Bild und der anschließenden Anwendung. Eine Tabelle mit Szene, Sprechtext, Bild und Lernfunktion reicht für einen ersten Entwurf. Fachliche Freigabe und eine Sprechprobe gehören vor die Aufnahme.
Ein fachlich guter Text lässt sich nicht immer gut sprechen. Und ein gut gesprochener Text muss noch nicht zeigen, was Lernende zum Verständnis benötigen. Das Drehbuch bringt diese Ebenen zusammen.
Vor dem Schreiben drei Entscheidungen treffen
Beschreiben Sie das Lernziel als Handlung. Legen Sie fest, welches Vorwissen vorausgesetzt wird. Bestimmen Sie anschließend die Aufgabe, die nach dem Video bearbeitet werden soll.
Wenn Sie diese Aufgabe noch nicht formulieren können, ist das Video möglicherweise zu breit angelegt. Eine Erklärung zu „KI im Unternehmen“ braucht eine andere Eingrenzung als ein Video zur Prüfung einer einzelnen Zusammenfassung.
Die Drehbuchvorlage
| Szene | Lernfunktion | Sprechtext | Sichtbares Bild | Auftrag oder Rückmeldung |
|---|---|---|---|---|
| Einstieg | Relevanz und Frage | konkreter Arbeitsfall | Fall oder Ergebnis zeigen | erste Einschätzung |
| Erklärung | Kriterium verständlich machen | ein Gedanke pro Abschnitt | entscheidende Stelle hervorheben | Verständnisfrage |
| Demonstration | Vorgehen sichtbar machen | Schritte und Gründe erläutern | Ablauf oder Vergleich zeigen | Beobachtungsauftrag |
| Anwendung | selbst bearbeiten | knappe Anleitung | neuer Fall | Entscheidung mit Begründung |
| Abschluss | Ergebnis sichern | Prüfroutine zusammenfassen | Arbeitskarte | nächste Anwendung |
Nicht jede Szene muss Teil der Videodatei sein. Eine Aufgabe kann davor, als Unterbrechung oder anschließend im LMS stehen. Wichtig ist der zusammenhängende Lernweg.
Eine ausgefüllte Beispielszene
Das Beispiel verwendet fiktive Texte.
Lernziel: Eine Aussage erkennen, deren Sicherheit gegenüber der Quelle unzulässig erhöht wurde.
| Element | Beispiel |
|---|---|
| Ausgangstext | Die Lieferung wird voraussichtlich am Freitag eintreffen. |
| KI-Zusammenfassung | Die Lieferung trifft am Freitag ein. |
| Frage | Welche Änderung ist vor einer Weitergabe nötig? |
| Sprechtext | Vergleichen Sie, wie sicher beide Sätze klingen. Im ersten Satz bleibt der Termin eine Prognose. Die Zusammenfassung macht daraus eine feste Aussage. |
| Bild | beide Sätze nebeneinander; relevante Formulierungen hervorgehoben |
| Übung | neuer Fall mit einer anderen unsicheren Angabe |
| Feedback | auf den Unterschied im Grad der Sicherheit verweisen |
Die Szene behandelt ein enges Prüfkriterium. Sie versucht nicht, alle Grenzen von KI in wenigen Minuten zu erklären.
Gesprochenen Text verständlich schreiben
Lesen Sie den Text laut. Verkürzen Sie lange Sätze und erklären Sie Fachbegriffe dort, wo sie gebraucht werden. Ein Skript muss nicht nach einer wissenschaftlichen Veröffentlichung klingen, um fachlich korrekt zu sein.
Vermeiden Sie Verweise, die ohne das Bild unverständlich bleiben: „Das hier ist wichtig“ sagt wenig. „Die Formulierung voraussichtlich zeigt die Unsicherheit des Termins“ vermittelt die entscheidende Information.
Eine Frage, ein konkretes Beispiel und eine anschließende Erklärung können den Einstieg strukturieren. Das entspricht dem in meiner Lehrpraxis verwendeten Prinzip, zunächst eine eigene Einschätzung zu ermöglichen.
Das Bild muss eine Aufgabe erfüllen
Eine Grafik kann Beziehungen zeigen, ein Screencast einen Ablauf und eine reale Aufnahme einen Handgriff. Ein dekoratives Motiv unterstützt die Erklärung nur begrenzt. Schreiben Sie deshalb zu jedem Bild, welche Information damit sichtbar wird.
Für die Planung zugänglicher Medien empfiehlt das W3C, wichtige visuelle Informationen bereits im gesprochenen Inhalt zu berücksichtigen. W3C WAI: Audio Content and Video Content.
Zeitplanung durch eine Sprechprobe prüfen
Schätzen Sie die Dauer nicht allein aus der Seitenzahl. Sprechen Sie den Text in natürlichem Tempo und berücksichtigen Sie Pausen, Bildwechsel und Demonstrationen. Eine hastig vorgelesene Fassung ist kein sinnvoller Maßstab für die spätere Nutzung.
Wenn die Einheit zu lang wird, prüfen Sie den Inhalt: Welche Voraussetzung kann vorher geklärt werden? Welche Variante braucht eine eigene Einheit? Welche Ergänzung gehört in eine Arbeitskarte?
Die Freigabe vor dem Dreh
Prüfen Sie vier Perspektiven:
- Fachlich: Aussagen, Begriffe und Beispiele sind korrekt.
- Didaktisch: Erklärung und Aufgabe passen zum Lernziel.
- Medial: Das geplante Bild zeigt die nötige Information.
- Produktionsbezogen: Beteiligte, Materialien und Ausgaben sind geklärt.
Markieren Sie offene Punkte im Skript. Eine unklare Aussage sollte nicht erst im Studio entschieden werden, wenn Vortragende, Technik und Zeit bereits gebunden sind.
Nach der Aufnahme weiterverwenden
Ein gepflegtes Drehbuch erleichtert Untertitel, Transkript, neue Sprachfassungen und spätere Aktualisierung. Halten Sie die freigegebene Textfassung und die tatsächlich gesprochene Fassung nachvollziehbar auseinander.
Für die nächste Produktionsphase lesen Sie Studioaufnahmen mit Fachleuten. Für Aufgaben innerhalb des Videos ergänzt Interaktive Lernvideos die technische und didaktische Planung.
Passend weiterarbeiten
Alle Anleitungen zu Lernprogrammen
Sie möchten Lehrplan, Lernmedien und Plattform gemeinsam entwickeln? Individuelle Lernprogramme für Ihr Unternehmen verbinden Konzeption, Lernvideoproduktion und Praxisbegleitung.